Jacobus de Kerle (1531-32-1591) : Komponieren in Spannungsfeld von Kirche und Kunst

Jacobus de Kerle (1531-32-1591) : Komponieren in Spannungsfeld von Kirche und Kunst

Jacobus de Kerle (1531-32-1591) : Komponieren in Spannungsfeld von Kirche und Kunst
Éditeur: Brepols
2009ISBN 9782503515953
Format: Relié

"Retter der Kirchenmusik" - mit diesem Prädikat ist der Name des flämischen

Komponisten Jacobus de Kerle unzertrennlich verbunden, seit er durch Otto

Ursprungs wegweisende Studien zu Beginn des 20. Jahrhunderts überhaupt ins

Blickfeld der Forschung rückte. Ursprung knüpfte die historische Bedeutung de

Kerles an die These, dank seiner Preces speciales (1562) sei es gelungen, das drohende

Verbot kirchlicher Mehrstimmigkeit auf dem Konzil von Trient abzuwenden. Dies

hatte ebenso nachhaltige wie zwiespältige Konsequenzen: Einerseits war de Kerle

damit ein fester Platz in der Musikgeschichte gesichert, der aber andererseits schnell

zum bloßen Gemeinplatz verkam. De Kerles Leistung wurde in der Folgezeit auf

die vermeintliche Rettungstat verkürzt; weitere Studien zu oder Editionen von

seiner Musik blieben indessen aus. In vorliegender Monographie erfährt de Kerles

kompositorisches Schaffen nun eine umfassende, differenziertere Neubewertung,

die auf der Erschließung seines gesamten OEuvres basiert. Wenn de Kerle folglich

der Ehrentitel des "Retters der Kirchenmusik" aberkannt werden muß, so zeigt

sich, daß er nicht nur ein einziges Werk, sondern sein ganzes schöpferisches Leben

in den Dienst der Kirchenmusik stellte. Sein Ziel war es, "katholische" Musik zu

komponieren, d.h. Musik, die sich den liturgischen Anforderungen unterordnete

und das konfessionelle Selbstverständnis der römischen Kirche akzentuierte.

Dabei lag es de Kerle fern, lediglich "Gebrauchsmusik" zu komponieren oder

allein propagandistischen Zwecken zu dienen. Vielmehr versuchte er stets, die

kirchlichen Vorgaben mit einem ambitionierten Kunstanspruch zur Deckung zu

bringen, ein labiles, jeweils individuell auszuwägendes Gleichgewicht zwischen

den Gestaltungskräften Kirche und Kunst zu finden. Auch mußte de Kerle im

Laufe seiner bewegten Karriere, die ihn unter anderem nach Orvieto, Rom, Ypern,

Augsburg, Cambrai, Köln und Prag führte, immer wieder neue Wege einschlagen,

um seine Zielvorgabe in den jeweils gegebenen Umständen zu erfüllen.

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