Das Watt

Obwohl Alfred Ehrhardt malerische Landschaftsaufnahmen
von hohem Niveau geschaffen
hat, fügte er seinem Werk über das
Watt nur wenige dieser Art ein. Die meisten
seiner Wattfotos wollen nicht die Landschaft
in ihrer poetischen Wirkung spiegein,
sondern richten sich auf die Beobachtung
der Wattfläche selber, auf ihre plastischzeichnerische
Bildung, auf ihre geheimnisvoll
schöne, gegliederte Welt der Formen.
Welch eine Fülle von Erscheinungen vermochte
das ungewöhnliche Auge des
Schöpfers dieser Lichtbilder einzufangen.
Welch ein Zeichensprache der Natur liegt
hier dem Betrachter offen und zwingt ihn,
diese merkwürdigen Gebilde lange anzuschauen,
darüber nachzusinnen und der
großen Kraft nachzuspüren, die in diesem
"Ödland" heute wie seit ewigen Zeiten am
Werke ist und ihr großes, göttliches Spiel
treibt. Ganz der Sache hingegeben hat hier
ein Liebender der Natur ihre Sprache lange
und geduldig und nicht ohne Gefahr studiert.
Aus einem reinen, klaren Formwillen
heraus hat er, ohne die Hilfsmittel der Trickund
Zerraufnahme zu benötigen, Bilder von
so merkwürdigem Reiz, so wunderbarer
Gliederung, von soviel Weite, Freiheit und
Erhabenheit geschaffen, daß jeder aufgeschlossene,
künstlerische Mensch wie von
selber in jene innere Schwingung gerät, die
ihn immer überfällt, wenn er dem Herzen der
Schöpfung, ins Bild versunken, nähertritt.