Alt werden und sterben hinter Gittern : eine neue Realität für den Vollzug. Vieillir et mourir derrière les barreaux : une nouvelle réalité de l'exécution des sanctions pénales

Die Zahl älterer Häftlinge steigt in Schweizer Strafanstalten zunehmend. Erklären
Iässt sich diese Tendenz zum Teil mit der demografischen Entwicklung.
Aber auch das politische Klima trägt dazu bei: Bei ihrer Verurteilung oder während
des Vollzugs als gefährlich bewertete Straftäter werden aus dem Massnahmen-
oder Strafvollzug kaum je entlassen und sind oft bis zu ihrem Lebensende
eingesperrt. Zudem werden zu Freiheitsstrafen Verurteilte viel weniger häufig
als früher nach Zweidritteln des Vollzugs bedingt entlassen. All dies Iässt die Aufenthaltsdauer
der über Sechzigjährigen ansteigen.
Wie verfährt man mit alternden Häftlingen ? Wie erfahren sie ihren Lebensabend
hinter Gittern ? Welche Konsequenzen hat diese Entwicklung auf Vollzugskonzepte
und das Personal ? Die Tagung 2012 der Fachgruppe «Reform im Strafwesen»,
deren Referate hier publiziert werden, warf zunächst einen Blick auf die
Veränderungen beim alternden Menschen - in der Freiheit wie im Gefängnis. Danach
folgten Erfahrungsberichte aus dem Vollzug in spezialisierten Abteilungen
für Senioren. Dem schlossen sich ethische Reflexionen über das Altern und den
Tod hinter Gittern an. Und zuletzt wurde die Frage nach der Rechtsstaatlichkeit
und den Menschenrechten gestellt.